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Quadratisch, praktisch, gut!!

Tag: Spachtelboden

Fazit 2: Design Spachtelboden – Selbst gemacht!

Lange haben wir uns mit der Frage unseres Bodenbelags beschäftigt. Vieles hat so sein Pro und Contra. Fliesen, Parkett, Korkparkett, Teppich, Linoleum, Sichtestrich. Nicht jeden Belag hätten wir im Wohnzimmer und den Schlafzimmern verwendet. Fliesen haben wir keine gefunden, die wir uns auch im Wohnzimmer hätten vorstellen können.

Jeden Belag haben wir unter den Gesichtspunkten Farben, Akustik, Haptik beim Barfußlaufen, Fugen, Wärmeleiteigenschaften und Robustheit für uns bewertet. Da wir eine Fußbodenheizung mit einer geringen Vorlauftemperatur von ca. 28°C haben, sollten auch Teppiche vollflächig verklebt werden. Gerade in den Kinderzimmern war das ein No-Go. Wenn die Kinder in wenigen Jahren mal einen anderen Teppich haben möchten, fangen die Probleme an den Teppich mit dem Kleber wieder da raus zu bekommen.

Kurzum, wir gelangten schnell zu dem Eindruck, dass ein Sichtestrich all unsere Anforderungen erfüllen könnte. Wir informierten uns zu möglichen Ausführungsbetrieben und natürlich auch zum Kostenrahmen. Dabei wurde uns stückweise bewusst, dass es mit dem Erstellen des Sichtestrichs nicht getan ist. Zudem muss der Boden bis zur Fertigstellung vor allen noch auftretenden Einflüssen geschützt werden. Fraglich, ob das mit vertretbarem Aufwand zu gewährleisten gewesen wäre. Zudem bereitete uns ein Thema Sorge: die Innentreppe. Sie wird erst spät eingebaut und es wird Bereiche im Estrich geben, die nachträglich geschlossen werden müssen. Spätestens hier war der Sichtestrich schon wieder “gestorben”.

Also konzentrierten wir uns bei der Recherche auf Bodenbeläge, die nachträglich auf den Estrich aufgebracht werden und trotzdem die gewünschten Eigenschaften besitzen. So gelangten wir zu den Design Spachtelböden. Bekannt ist der Castrello, Pandomo oder auch Beton Ciré. Die Optiken gefielen uns sehr. Die Preise für die Ausführung eher weniger. Da wir ca. 180-190qm (Wohnzimmer, Küche, Diele, Abstellräume, Gäste-WC, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Gästezimmer + Büro) damit belegt haben wollten, waren 100-180€ pro Quadratmeter dann doch jenseits der Schmerzgrenze.

Schnell kam die Idee auf: “Hey, das könnten wir doch selbst machen, oder?”.

Hm, wirklich? Wir begannen damit Materialpreis für Endkunden in Erfahrung zu bringen … Fehlanzeige. Die Materialien werden nur an ausgebildete Fachfirmen verkauft. Ist in aus Sicht der Qualitätssicherung nachvollziehbar, aber wir wollten uns damit nicht zufrieden geben. Also weiter im Internet nach Hinweisen und Firmen suchen, ob es nicht doch schon jemand mal selbst gemacht hat.

Hierbei stieß meine Frau auf die Webseite “Wir machen Boden” der Firmen “Thomsit” und “Dr. Schutz”. Hier

wurde ein Systemaufbau beschrieben, der vielversprechend klang. Auch die Farbgebung und Optik gefiel uns. Der Boden besteht Hauptsächlich aus einer selbstnivellierenden, zementären Spachtelmasse. Diese wird zusätzlich mit einer PU-Versiegelung gegen Flecken und sonstige unerwünschte Einflüsse geschützt.

// Edit: Da die Seite von Thomsit offenbar gerade offline ist, hab ich das für uns relevante Thomsit Spachtelboden – Detailblatt verlinkt.

Als nächstes holten wir die Endkundenpreise für das Material ein. Siehe da, es war kein Problem das gesamte

Material zu bestellen. Grundierung, Voranstrich, Spachtel, PU-Siegel, Werkzeug. Ok, das war nun geklärt ;-) Somit konnten wir nun damit beginnen, die konkrete Ausführung zu planen.

Material für Bodenbelag

Material für Bodenbelag

1. Vorbereitungen

Der Boden sollte unbedingt sauber + staubfrei sein. Reste von Fliesenkleber oder Ähnlichem unbedingt vorher entfernen. Wir haben den Boden im gesamten Haus bestimmt 5x intensiv abgesaugt und teilweise mit der Drahtbürste gereinigt. Falls es Lücken im Randdämmstreifen gibt, sollten diese unbedingt abgedichtet werden. Entweder den Randdämmstreifen erneuern, oder bei kleineren Stellen einfach mit Acryl abdichten.

2. PU-Grundierung

Diese dient dazu mögliche Restfeuchtigkeit des Estrichs abzusperren. Zudem sorgt sie dafür, dass der Estrich später der Spachtelmasse nicht zu schnell das Wasser entzieht. Das stellt eine gleichmäßige Belastbarkeit und Optik sicher. Die Grundierung muss in zwei Durchgängen mit einer Rolle aufgetragen werden.

PU Grundierung in der Diele

PU Grundierung in der Diele

3. Bearbeiten mit der schwarzen Pad-Scheibe

Hierfür haben wir uns eine Teller Schleifmaschine gemietet. Pad-Scheibe drunter und die komplette Fläche damit griffig vorbereitet.

4. Der Voranstrich

… wird ebenfalls mit der Rolle aufgetragen und dient als Haftbrücke. Hier genügt ein Durchgang. Der war allein in ca. 5-6 Stunden erledigt.

Voranstrich

Voranstrich

5. Spachtelmasse aufbringen

Der größte Akt. 58 Säcke Thomsit SL 85 Spachtelmasse (ca. 1,5 Tonnen). Das haben wir zu dritt gemacht. Ein guter Freund und mein Schwiegervater haben tatkräftig geholfen. Wir haben zunächst in den Räumen im Staffelgeschoss angefangen. Das half dabei den Workflow zu testen und ein Gefühl für das Material zu bekommen. Jeder Sack des Materials wird mit exakt 6 Litern Wasser angerührt. Bei den geplanten 5mm Auftragsstärke hat ein Sack damit eine Reichweite von ca. 3,3 Quadratmetern. Also hieß es im Akkord Material anrühren, verteilen, mit dem Stiftrakel (auf 5mm eingestellt) abziehen und mit der Nagelwalze entlüften. So haben wir drei in ca. 9 Stunden reiner Arbeitszeit die gesamte Fläche geschafft.

Mitten drin im Wohnzimmer

Mitten drin im Wohnzimmer

6. PU-Siegel

Nachdem die Spachtelmasse mindestens 24 Stunden ausgehärtet war, konnte das PU-Siegel mit der Rolle aufgebracht werden. Hier waren wieder zwei Durchgänge notwendig. Nach zwei Stunden ist das Siegel zumindest soweit getrocknet, dass man vorsichtig auf Socken darüber gehen kann, ohne Spuren zu hinterlassen. Das hat dann nochmals ca. 12 Stunden Zeit gekostet. Für das Siegel gibt es verschiedene Varianten von glänzend bis extra matt. Wir haben im Hinblick auf die tägliche Pflege die extra matt Variante genommen.

 

// Edit: Da ich immer wieder nach Detailansichten vom Boden gefragt werde, hab ich hier mal ein paar aktuelle Bilder hochgeladen: m5!cube Spachtelboden Photostream.

Wohnzimmer fertig versiegelt

Wohnzimmer fertig versiegelt

Alles in allem

Wir sind sehr auf das Wohngefühl gespannt und werden sicher noch über die eine oder andere Praxiserfahrung hier im Blog schreiben. Im Moment sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Das Maß an Arbeit für diesen Boden ist recht hoch, aber machbar.  Und ja, es gibt Stellen wo ich sagen kann ” da haben wir Lehrgeld gezahlt” ;-) Da hätte man es mit Übung noch besser hinbekommen können. Aber dafür, dass wir es zuvor noch nie gemacht haben kann sich das Ergebnis sehen lassen.

Wichtig: Eine sehr gute Vorbereitung der Materialien, Arbeitsabläufe und gutes Material für die Verarbeitung sind unheimlich wichtig und spart nerven! Hier ist sparen fehl am Platz, wenn das Ergebnis passen soll. So war z.B. ein Stiftrakel für ca. 80€ unheimlich hilfreich die geplante Aufbauhöhe von 5mm durchgängig einzuhalten. Ich möchte nicht darüber nachdenken wie ich das mit einem Spachtel oder normalem Rakel hinbekommen hätte ….

Bodenbelag: Check!

Heute hab ich den Spachtelboden versiegelt. Damit ist er gegen Flüssigkeiten geschützt. Jetzt muss das PU Siegel noch aushärten, damit der Boden alltagstauglich ist. Trocken und vorsichtig begehbar ist er schon jetzt, braucht aber nun noch 7 Tage bis zur vollständigen Härte.

Der Belag besteht aus:
– zwei Durchgänge Grundierung als Feuchtigkeitssperre
– ein Durchgang Voranstrich als Haftbrücke
– 5mm zementäre Spachtelmasse
– zwei Durchgänge PU Siegel zum dauerhaften Schutz der Oberfläche gegen das Eindringen von Flüssigkeiten

Begonnen habe ich bei jedem Durchgang im Abstellraum des
Staffelgeschosses. So konnte ich mich an den Ablauf gewöhnen um dann im Wohnzimmer das bestmögliche Ergebnis zu bekommen.

Beim Verarbeiten der Spachtelmasse selbst (gut 1,5 Tonnen auf 180qm) haben ein guter Freund und mein Schwiegervater kräftig mit zugelangt. So konnten wir das Material zügig verarbeiten (ca. 9 Stunden).

Nun sind wir froh, dass wir den Boden soweit fertig haben. So ist wenigstens der zweite Weihnachtsfeiertag arbeitsfrei.